1075 Jahre Ziesar: Ein Museumstag mit Überraschungen
Wurden 1075 Jahre Ziesar zu früh gefeiert? Diese Theorie stellt Museumsleiter Clemens Bergstedt auf. Der festliche Abschluss des Jubiläums war jedoch nicht aufzuhalten – inklusive Überraschungen.

Frank Bürstenbinder
29.10.2023, 08:27 Uhr
Ziesar. Faustdicke Überraschung beim Aktionstag „Feuer und Flamme für unsere Museen“: Wenn es nach Clemens Bergstedt geht, dürfte Ziesar seine 1075-Jahr-Feier erst in 17 Jahren feiern. Also zu früh gratuliert?
Immerhin gibt es eine von 948 datierte königliche Urkunde, in der Ziesar mit der Gründung des Bistums Brandenburg erstmals erwähnt wird. So wie auch Pritzerbe. Für den Historiker und Leiter des Burgmuseums in Ziesar sprechen mehrere Indizien dafür, dass es sich bei dem Pergament um eine Fälschung handeln soll. Nach seinen Recherchen soll sich dieses Kapitel deutscher Regionalgeschichte erst 965 abgespielt haben.
Anlässlich der zentralen Auftaktveranstaltung „Feuer und Flamme für unsere Museen“ in Ziesar referierte Bergstedt über seine Erkenntnisse zur Gründung des Bistums Brandenburg. Für Bürgermeister René Mertens ist die interessante Theorie kein Grund, das zu Ende gehende Jahr der Jubiläumsfeierlichkeiten in Frage zu stellen.
„Wir hatten viele tolle Veranstaltungen. Dafür möchte ich allen Akteuren und Helfern ein großes Dankeschön sagen. Ohne euch wäre das vielfältige Veranstaltungsprogramm nicht möglich gewesen“, lobte das Stadtoberhaupt. Erinnert sei an Theatereigenproduktionen und Konzertauftritte, Flämingmarkt und Mittelalterfest, die Anschaffung der Lego-Burg, Frühjahrsputz und Feuerwehrfest, um nur einige Punkte aufzuführen.
Kurt Weißflor stimmt am Keyboard das neue Ziesar-Lied an.
© Quelle: Frank Bürstenbinder
Ziesar als Gastgeber
Mit der Gastgeberrolle für den kreisweiten Museumstag schloss sich am Wochenende der Reigen der 1075-Jahr-Feierlichkeiten. Ganz am Ende steht Anfang der Dezember der Weihnachtsmarkt auf dem Burghof. Bürgermeister Mertens hob besonders die Rolle von Silvia Zimmermann als Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins hervor. „Sie ist unsere unermüdliche Organisatorin, der die Stadt viel zu verdanken hat“, sagte Mertens.
Er übergab an die Vereinschefin eine historische Bierflasche aus einer Ziesarer Brauerei, deren Geschichte noch weitgehend unerforscht ist. Dazu ein über 100 Jahre altes Büchlein aus der Druckerei des ortsansässigen Zeitungsverlegers Wilhelm Leddin. Beide Präsente werden das Heimatmuseum auf dem Wirtschaftshof der Burg ergänzen.
Die Pritzerber Delegation im Burgmuseum Ziesar.
© Quelle: Frank Bürstenbinder
Sowohl das 2005 an diesem Standort eingerichtete Heimatmuseum als auch das Burgmuseum standen am Sonnabend im Mittelpunkt des Aktionstages „Feuer und Flamme für unsere Museen“. Doris Patzer, Kulturbeauftragter des Landkreises, dankte der Stadt Ziesar für die Gastfreundschaft und für das große Engagement beim Erhalt des Burgensembles. Amtsdirektor Karsten Gericke bezeichnete die ehemalige Bischofsresidenz als hervorragendes Beispiel geistlicher Residenzkultur.
Museen sind Erfolgsgeschichte
Der Landtagsabgeordnete Udo Wernitz (SPD) würdigte die Rolle des seit 2004 veranstalteten Museumstages als Multiplikator für die Kulturlandschaft in Brandenburg: „Es gibt viele zusätzliche Angebote, die sonst nicht typisch für Museen sind – vom Brotbacken bis zum Filmdreh, vom Fackelumzug bis zum Konzert.“
Vize-Landrat Steven Koch erinnerte an die Nachwendezeit, als es im Landkreis noch drei Museen gab. Heute sind es 55 Museen und Ausstellungsinitiativen. „Wir blicken auf eine Erfolgsgeschichte zurück, bei der es nicht nur um Fördermittel, sondern auch um Marketing, Weiterbildung und Digitalisierung geht. Auch dabei hilft der Landkreis gern“, so Koch.

Silvia Zimmermann vom Kultur- und Heimatverein Ziesar überreicht Pritzerbes Ortsvorsteher Klaus Meyer eine Kerze mit dem Pritzerber Stadtwappen.
© Quelle: Frank Bürstenbinder
Als Ehrengäste wurden in Ziesar Vertreter der Stadt Pritzerbe in Ziesar begrüßt. Auch an der Havel wurde 2023 das ganze Jahr gefeiert. Grundlage ist dieselbe Gründungsurkunde, die von Ziesars Museumsleiter heute so stark angezweifelt wird.
Pritzerbes Ortsvorsteher Klaus Meyer nahm von Ziesars Heimatvereinsvorsitzende Zimmerman eine Kerze mit dem Wappen des Fischer- und Schifferstädtchens entgegen. „Ich bin das erste Mal in Ziesar und vom freundschaftlichen Empfang sehr angetan“, sagte Meyer. Beide Städte wollen ihre Verbindung in Zukunft vertiefen.
Museumsleiter Clemens Bergstedt stellt eine Neuerwerbung durch die Stadt Ziesar vor. Das 1932 entstandene Gemälde des in Ziesar geborenen Impressionisten und Landschaftsmalers Otto Altenkirch zeigt den Geuenbach.
© Quelle: Frank Bürstenbinder
Ein weiterer Höhepunkt des Museumstages war die Präsentation zweier Gemälde, die von der Stadt Ziesar für die Otto-Altenkirch-Galerie auf der Burg erstanden werden konnten. Darunter ist ein großes Ölgemälde aus dem Jahr 1932, das den Geuenbach zeigt. „Das Bild stammt aus einem Privatbesitz in Landsberg am Lech. Die letzten Besitzer sind über das Internet auf die Verbindung von Otto Altenkirch (1875-1945) zu Ziesar aufmerksam geworden. Mit einem Anruf wurden wir uns schnell über einen Ankauf einig“, berichtete Museumsleiter Bergstedt bei der Vorstellung.
Bei dem zweiten Gemälde handelt es sich um ein wesentlich kleineres Aquarell, auf dem Altenkirch den Heller, eine historische Landschaft bei Dresden, festhielt. Beide Bilder werden die Dauerausstellung über den in Ziesar geborenen Landschaftsmaler und Impressionisten ergänzen.
MAZ
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