Ziesars Heimatfreunde erinnern an 1000-Jahr-Feier 1948

Der Krieg war erst drei Jahre vorbei. Doch Ziesar feierte 1948 das 1000-jährige Bestehen der Stadt. 75 Jahre später erinnern die Kultur- und Heimatfreunde mit einer Ausstellung an das Jubiläum.
14.03.2023, 16:49 Uhr
Ziesar. Im Jahr des 1075-jährigen Bestehens der Stadt Ziesar rückt der Kultur- und Heimatverein (KHV) verstärkt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. So können sich Besucher im Heimatmuseum auf dem Burghof in einer kleinen Sonderausstellung darüber informieren, wie 1948 in Ziesar die 1000-Jahr-Feier begangen wurde. Fünf Tafeln mit Fotografien und Dokumenten haben die Heimatfreunde zusammengetragen. „Jetzt suchen wir noch Bildmaterial und Erinnerungen an die 1025-Jahr-Feier von 1973“, sagte Vereinsvorsitzende Silvia Zimmermann der MAZ.
Flämingmarkt in Ziesar
An zahlreichen Veranstaltungen zum Stadtjubiläum werden sich viele der über 50 Mitglieder des KHV beteiligen. So zum Beispiel beim Flämingmarkt am 9. und 10. September. Beim Burgfest am 4. Juni sind die Heimatfreunde ebenso dabei, wie bei der Abschlussveranstaltung am 28. Oktober mit der langen Nacht der Museen. Beim Mittelalterfest am 16. und 17. September wird die Versorgung mit Kuchen und Brötchen übernommen. Am 5. November laden die Mitglieder zu einer Buchlesung mit Musik ein. Ende April wird es wieder eine Wanderung zur Schachbrettblumenwiese geben. Maßgeblich beteiligt ist der KHV außerdem an einem öffentlichen Gedenken an Wilhelm Leddin (1882-1945).

Vereinsvorsitzende Silvia Zimmermann bei einer Führung im Heimatmuseum Ziesar.
© Quelle: Tobias Wagner
So wird am 13. Mai vor dem Haus Breiter Weg 33 eine Stele zur Erinnerung an den Zeitungsverleger und Herausgeber des „Anzeiger für Ziesar und die umliegenden Ortschaften“ enthüllt, wie Vereinsvorsitzende Zimmermann bei der jüngsten Jahresversammlung der Kultur- und Heimatfreunde ankündigte. Mit ihren Recherchen konnte Zimmermann das Schicksal des 1945 von der Roten Armee verhafteten Zeitungsverlegers aufklären. Leddin starb im Internierungslager Ketschendorf bei Fürstenwalde. Seine sterblichen Überreste ruhen auf dem Soldatenfriedhof in Halbe, was bis zum vergangenen Jahr nicht bekannt war. Auf dem Breiten Weg befand sich das Wohn- und Geschäftshaus von Familie Leddin.
Nistkästen rund um Ziesar

Frost und Nässe sorgen für Bauschäden am Storchenturm.
© Quelle: Frank Bürstenbinder
Zwei ganz praktische Aktionen hat der KHV im Jubiläumsjahr bereits hinter sich. So wurden mit Hilfe von Vereinsmitgliedern zehn von der Stadt erworbene Nistkästen für Wiedehopfe rund um Ziesar aufgestellt. „Wir haben die Nistkästen dort aufgestellt, wo uns aufmerksame Naturfreunde Sichtungen dieser Vögel meldeten“, so Vereinsvorsitzende Zimmermann in ihrem Bericht an die Mitglieder. Der Wiedehopf steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Paten kümmern sich um die Standorte, die mit Absicht nicht näher benannt werden.
Traditionell wurde im Februar zu einem Arbeitseinsatz auf dem Storchenturm aufgerufen. Jährlich muss der Wehrgang von den Abfällen des Storchennestes gereinigt werden. Allerdings haben Frost und Nässe das Mauerwerk der Turmspitze und der Brustwehr beschädigt. Bauamtsleiter Michael Stingel und Amtsdirektor Karsten Gericke verschafften sich persönlich einen Überblick über die Situation auf dem Turm. Nun soll geprüft werden, welche Möglichkeiten der Bauwerkserhaltung und Finanzierung es geben könnte. Der Kultur- und Heimatverein sieht jedenfalls dringenden Handlungsbedarf.

Zur 1000-Jahr-Feier 1948 gab es im Hotel "Schwarzer Adler" in der Badstraße eine Ausstellung mit Waren von Ziesarer Firmen.
© Quelle: Privat
Mit Gabriele Rosenthal und Silvia Dingel konnten auf der Jahresversammlung zwei neue Mitglieder aufgenommen werden. Damit gehören dem Verein jetzt 53 Männer und Frauen an. Sie pflegen das Erbe der Stadtgeschichte insbesondere mit der Dauerausstellung im Heimatmuseum. Im vergangenen Jahr konnten an den Wochenenden 426 Besucher gezählt werden. Die Öffnungszeiten werden ehrenamtlich abgesichert. „Ohne die vielen Mitglieder und Helfer wäre dieses Engagement nicht denkbar. Wir schauen nicht auf die Uhr. Gerne werden Gäste begrüßt, Hilfe für andere Vereine ist für uns selbstverständlich. Wir geben viel, bekommen aber auch viel zurück“, so Vereinsvorsitzende Zimmermann.
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